Transformationstherapie nach Robert Betz – Alles darf sein!

Psychotherapie – vom Wissen und Nicht-Fühlen 

Direkt nach meinem Burnout habe ich eine Gesprächstherapie bei einer Heilpraktikerin für Psychotherapie begonnen. Recht schnell habe ich gemerkt, dass diese Therapieform mir nur sehr begrenzt hilft, da ich dort nur aus dem Verstand heraus meine Situation rauf und runter analysiert habe. Damit habe ich mich sehr wohl gefühlt, da analysieren, reflektieren, mich ausdrücken, Stärken von mir sind. Nur was nützt mir das ganze Wissen über meinen Zustand und die Zusammenhänge, hatte ich mich dennoch in diese Situation manövriert. Wir haben kein Wissensproblem, sondern ein Umsetzungsproblem! Erkennbar ist das beim Thema Ernährung. Es ist allgemein bekannt, dass Zucker schädlich ist und trotzdem fällt es uns oft so schwer gute Entscheidungen hinsichtlich unserer Ernährung zu treffen. Nicht, weil wir es nicht besser wissen, aber dennoch ist da etwas, dass es uns so schwer macht. Dahin kommt der Kopf aber nicht. Das ist das Gemeine am Unterbewusstsein.

Transformationstherapie – ein Weg zum Unterbewusstsein?

Je mehr ich mich öffne und über meine Erfahrungen spreche, desto mehr Menschen treten in mein Leben, mit denen ich mich austauschen kann. Auf diesem Weg erfuhr ich von der Transformationstherapie nach Robert Betz. Von dieser Therapieform erhoffte ich mir, einen Zugang zu meinen unterbewussten Emotionen herzustellen, die so lange von mir weggedrückt, versteckt, oder abgelehnt wurden. Ich denke da z.B. an unterdrückte Wut, lang zurückliegende verdrängte Verletzungen, Ablehnung meiner Weiblichkeit. Vom Kopf her weiß ich, dass nur ich mich heilen kann, ich nichts und niemanden sonst dazu brauche, aber auf emotionaler Ebene komme ich nicht in die Heilung. Also suchte ich mir Hilfe zur Selbsthilfe und teile mit euch meine Erfahrungen meiner ersten Transformationstherapiesitzung.

Vorgespräch auf Augenhöhe 

Das Vorgespräch vor der eigentlichen Transformationsarbeit dauerte etwa eine Stunde und verlief sehr offen und auf Augenhöhe. Meine Therapeutin, Dagmar, erschuf im Raum eine vertraute gemütliche Stimmung und teilte persönliche Erfahrungen mit mir, wodurch eine stärkere Verbindung entstand, als wenn nur ich von mir berichtet hätte. Ich hatte das Gefühl diese Frau fühlte, wie es mir ging, und dass sie mir helfen könne.

Die eigentliche Sitzung begann mit der Frage, welche drei Wünsche mir eine kleine Fee erfüllen dürfte, damit ich ein glückliches Leben führen könne:

  1. Bedingungslose Selbstliebe,
  2. vertrauensvolle liebevolle Verbundenheit (zu Mensch, Tier, Natur, Universum),
  3. anderen dabei zu helfen (1) und (2) zu erlangen.

Wut, Wut und noch mehr Wut

Danach schlossen wir die Augen und Dagmar leitete mich dazu an mich mit meinem Atem zu verbinden. In einer Art geführten Meditation wanderte ich mit ihrer Hilfe durch meinen Körper und Energiepunkte. Ich hatte Angst davor nichts zu fühlen, nichts zu sehen, es nicht zu schaffen (was immer die Aufgabe auch sein möge), aber während der Reise durch mich darf plötzlich alles sein. Da ich mich in den vergangenen Monaten viel mit Spiritualität, Meditation und Yoga befasst habe, ist der Ansatz nicht befremdlich für mich. Dagmar spricht z.B. meine Chakras an, die 7 Hauptenergiezentren. Ich bin wach und bei vollem Bewusstsein, aber dennoch habe ich nicht an alles eine Erinnerung. Manchmal war es, als säße ich nicht mehr auf dem Stuhl, als fühlte ich meinen Körper nicht mehr richtig. Ich hörte ihre Stimme, ich sprach mit ihr, aber ihre Nähe war nicht mehr wirklich präsent. Ich tauchte in meine eigene Welt ab, in meine tiefen Gefühle. Das erste Mal emotional wurde ich, als wir bei den unteren Chakras ankamen und ich die Verbindung nicht so herstellen konnte wie von Dagmar angeleitet. Durch vorgestellte Wurzeln sollte ich mich erden, eine tiefe Verbindung zu Mutter Natur herstellen und alles mich Belastende abfließen lassen. Aber die verdammten Wurzeln wollten nicht so tief gehen wie ich das wollte. Das machte mich unglaublich wütend. Ich war wütend auf Dagmar, wütend auf die Wurzeln, dass es nicht besser klappte. Ich nahm meine Wut wahr, aber komischerweise störte sie mich nicht, weil ich sie nicht bewertete. Erste Tränen liefen mir über das Gesicht, aber auch das war nicht schlimm. Dann wanderten wir erneut durch meinen Körper und Dagmar fragte mich wie es sich anfühlte, angefangen bei meinem Kopf bis hin zu den Beinen/Füßen. Auch hier gab es kein richtig oder falsch. Ich sah einen Nebel in meinem Kopf; eine dunkle Faust steckte in meinem Hals und erschwerte mir das Schlucken; auf meinem Nacken lag ein Sack und drückte mich nach unten; meine Brust war viel zu eng und mein Herz eine kleine Rosine; Arme/Hände fühlten sich fremd an; mein Magen war traurig und an dieser Stelle weinte ich viel, weil ich spürte wie viel tiefe Traurigkeit dort saß; zu meinem Unterleib konnte ich keine wirkliche Beziehung herstellen und das machte mich erneut ziemlich wütend; meine Beine fühlten sich viel zu schwer an. Anschließend bat Dagmar mich mir vorzustellen, dass der Nebel in meinem Kopf dichter, die Faust in meinem Hals größer, der Sack auf meinem Nacken schwerer würde, usw. Ich wurde erneut wütend und weinte, weil ich es so unglaublich ungerecht fand, dass es alles noch schlimmer wurde. Ich wollte schreien, mit dem Fuß aufstampfen. Das war nicht die emotionale Reaktion der 32 jährigen Frau, die dort auf dem Stuhl saß. Diese Wut kam ganz tief aus meinem Innersten. Danach arbeitete sie in meiner Vorstellung mit Licht und so schickten wir zuerst helles Licht durch mich hindurch, danach transformierendes violettes Licht und zuletzt durfte ich mir eine Farbe aussuchen – grünes heilendes Licht.

Begegnung mit meinem ‚Inneren Kind‘

Anschließend half mir Dagmar einen Bezug zu meinem inneren Kind herzustellen. Es fiel mir schwer mich auf ein Bild einzulassen, aber ich sah ein Baby, jünger als ein Jahr, auf dem Bauch liegend zu mir aufschauen. Ich habe an dem Wohnzimmerteppich, auf dem das Baby lag, erkannt, dass wir in meinem damaligen Zuhause waren. Das Kind tat nichts außer mich anzuschauen und ich hob es, angeleitet durch Dagmar, hoch. Sie fragte mich, was das Kind bräuchte, wonach es sich sehnte und ich fühlte die Antworten auf ihre Fragen. Ich kümmerte mich gut um die kleine Annika und es erschien mir ganz natürlich, dass ich sie behütete, beschützte, bedingungslos liebte. Dagmar half mir dabei einen sicheren Ort für die kleine Annika zu schaffen, wo ihr nichts passieren konnte und sie nie allein sein musste, denn sie fürchtete sich am meisten davor verlassen zu werden.

In einer späteren Sequenz sah ich mein inneres Kind mit 5 oder 6 Jahren. Wir standen Hand in Hand nebeneinander und ich sollte mir „meinen Lebensweg“ vorstellen und beschreiben. Er verlief durch grüne Wiesen, schlängelte sich durch eine hügelige Landschaft auf und ab, so dass ich ihn nicht komplett sah, aber doch verfolgen konnte wohin er verlief. Die erwachsene Annika und das Kind fingen an den Weg zusammen entlang zu gehen. Interessanterweise war es mein erwachsenes Ich, das vom Kind mitgezogen wurde. Das Kind war fröhlich, neugierig, schaute sich um, erfreute sich an Blumen und einem Schmetterling. Die Erwachsene ließ sich anstecken von der kindlichen Freude und diesmal waren es Freudentränen, die mir bei geschlossenen Augen, auf dem Stuhl sitzend, über das Gesicht liefen. Es tat so gut zu spüren, dass das Kind in mir Kind sein durfte, und zu erleben wie es sich erfreute an seiner Umwelt. Dieses Gefühl ist nicht zu beschreiben…

20171020_201545344732130.jpg

Dagmar holte mich langsam zurück in den Raum. Sie hatte wahrend der letzten Sequenz eine Karte für mich geschrieben mit einer Affirmation, die ich, während ich auf meinen Weg schaute, sagen sollte. „Ich sage JA zu meinem Leben“ kam mir in den Sinn und das fühlte ich während der Therapie, aber ich fühle es vor allem auch jetzt. Ich erschaffe meine Gedanken und dadurch auch meine Emotionen und letztlich mein ganzes Leben. Wie könnte ich also Nein zu etwas sagen, das ich mir selbst erschaffe? Wenn ich im Widerstand bin mit meiner Schöpfung, werde ich niemals in Frieden und Liebe zu mir selbst sein können. Was ich das erste Mal nicht nur verstanden, sondern gefühlt habe: Ich darf alles sein und alles fühlen. Wie oft gehe ich in den Widerstand mit meinen Emotionen, vor allem meiner Wut. Aber meine Wut ist einfach nur, nicht mehr und nicht weniger. Sie gehört nicht bewertet. Emotionen sind nie richtig oder falsch, denn sie sind ein Teil von uns. Sobald wir ein Gefühl negativ bewerten, es ablehnen, lehnen wir einen Teil unserer Selbst ab und das führt zur Abspaltung. Heilung geschieht durch die Liebe und die Annahme unserer Selbst. Die Arbeit mit dem inneren Kind hat mich das fühlen lassen. Wenn ich ständig Erwartungen an mich – meine Gedanken, Emotionen, Handlungen – stelle, ständig versuche mich zu optimieren, werde ich aus dem Leistungs-Hamsterrad nicht herauskommen, werde ich niemals zu wahrer Selbstliebe gelangen. Denn Liebe kennt kein Wenn und Aber. Liebe ist bedingungslos. Wie sich diese Liebe anfühlen kann, wie es ist zu fehlen ohne zu bewerten, habe ich das erste Mal in meiner ersten Transformationstherapiesitzung erfahren dürfen.

Innere Ruhe kehrt zurück 

Am Tag vor der Therapie bin ich erneut in ein dunkles Loch gefallen. Seit der Sitzung bin ich innerlich sehr ruhig, in mich gekehrt, ausgeglichen. Das Alleinsein war eine meiner größten Herausforderungen in den vergangenen Monaten, aber momentan genieße ich es – zum ersten Mal seit langer Zeit – allein zu sein und Zeit für mich zu haben. Ich gehe spazieren, koche täglich für mich, brauche viel Schlaf und gönne mir diesen, treffe generell gute Entscheidungen für mich. Das tue ich aber nicht aus einer Angst heraus, dass ich es tun muss, um gut zu sein, liebenswert zu sein, sondern weil ich ein großes Bedürfnis danach verspüre mich gut zu behandeln. Dieses Gefühl ist der Schlüssel zum Erfolg. Ich kann nicht erklären wie ich dort hingekommen bin, aber 2:15h bei Dagmar haben so viel in mir verändert. Ich habe mich das erste Mal seit einer Ewigkeit wieder komplett spüren können, ohne Angst und ohne Ablehnung.

Set yourself on fire

Eure Annika

2 Gedanken zu „Transformationstherapie nach Robert Betz – Alles darf sein!

  1. Caro

    Wow, danke das du deine Geschichte mit uns teilst, danke für deinen Mut.
    So toll geschrieben, war total gefesselt in deine Texte und habe manche Blogs 2x gelesen.
    Vielen vielen dank.

    Gefällt 1 Person

    1. burnout-newbeginning

      Liebe Caro, das ist ein sehr schönes Kompliment und ich danke dir für diese schönen Worte. Ich teile meine Geschichte, um etwas zu geben – Verständnis für uns selbst und hoffentlich mehr Verständnis untereinannder. Etwas dafür zurückbekommen, wie deine Nachricht, tut aber definitv gut 😊🙏🏼 Hab einen schönen Tag und vielleicht besuchst du mich hier ja bald wieder oder verfolgst meine Reise auf Instagram.

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s